Das ist Nils. Nils hat offensichtlich über die Stränge geschlagen. Ich war jedoch ganz artig. Trotzdem habe ich am Weltkopfschmerztag passenderweise Kopfschmerzen. Aber nicht irgendwelche sondern von dieser Sorte, die sich anfühlt, als trüge man ganztägig eine zu enge Badekappe. Oder als wäre der Kopf in einem Schraubstock fixiert, der, mit besonderem Druck auf die Schläfenregion, stetig fester angezogen wird. Diese Art von Schmerz, die persönlichkeitsverändernd wirkt, störrisch, unleidlich, reizbar und wortkarg macht - einen also quasi dazu prädestiniert, einfühlsame Beratungsgespräche zu führen und gute Laune zu verbreiten.

Aber hier weiß man sich schließlich mit einer Kopfschmerztablette zu helfen. Der Weltkopfschmerztag müsste der kleine Bruder des Welttags der Schmerztabletten sein. Ob der wohl auch begangen wird?

Das Foto von Nils erinnert mich an das Existenzialisten-Frühstück, damals im Café Anton auf der Kreuzberger Oranienstraße. Wer es bestellte - meistens am späten Nachmittag - der bekam einen Espresso mit einer filterlosen Gaulois und einem Aspirin auf der Untertasse serviert.

Ganz so wie Nils tat man damals noch eine Menge Unsinn. Man rauchte zum Beispiel Zigaretten, trank Wein aus dem Tetrapack oder Mixgetränke, deren Farbverlauf an die untergehende Sonne in Mexico-City erinnerte.

Wie gut, dass einem dieses Zeug irgendwann von ganz alleine nicht mehr schmeckte. Das ist es, was Eugen auch immer bei unseren Tastings erzählt: Geschmack hat etwas mit Bildung zu tun, zumindest mit Geschmacksbildung. Denn es ist doch so – je mehr man ausprobiert, desto genauer weiß man was man will und natürlich auch was man gar nicht gebrauchen kann. Kopfschmerzen zum Beispiel – selbstgemachte zumal. 

So singen wir heute, an diesem Welttag das hohe Lied der Mäßigung (und nicht etwa wie der Schnorrer am Wein-Buffett der Galerie-Eröffnung „Die Getränke sind frei“).

Und beim Maßhalten hilft es, sich an Genussmittel zu halten, die etwas kostspieliger sind, auf diese Weise ergibt sich die Selbstbeherrschung ganz von allein.

Eine handgerollte Zigarre und ein samtiger Single Malt machen so wenig Kopfschmerzen wie die einsame Schwalbe den Sommer. Aber der Sommer ist ja auch fast vorbei, und dieser komische Welttag ebenfalls. Was bleibt sind die schönen Dinge des Lebens, die uns weder Kopfzerbrechen noch Schmerzen bereiten.